Glocken

 

Glocken als „lebendige Tradition“ anerkannt
Aufnahme in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes
 
Pressemitteilung vom 23.03.2025 EKIBA
 
Karlsruhe. Glockenguss und Glockenmusik werden in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Kulturministerkonferenz der Länder und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien haben am Mittwoch (26. März) bestätigt, diese Kulturform gemeinsam mit insgesamt 17 weiteren lebendigen Traditionen in das Bundesweite Verzeichnis aufzunehmen.
„Die Aufnahme der Kulturform ‚Glockenguss und Glockenmusik‘ in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Bundesrepublik Deutschland wird der Bedeutung gerecht, die das Glockenwesen seit der Karolingerzeit in den deutschen Ländern hat“, erläutert Prof. Dr. Michael Kaufmann vom Orgel- und Glockenprüfungsamt der Evangelischen Landeskirche in Baden. In seiner Funktion als Leiter der Aus- und Fortbildung für Orgel- und Glockensachverständige an der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg ist er auch Mitglied im Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen. „Ab dem 8. Jahrhundert wurden Glocken hierzulande gegossen, auf Türme aufgezogen und geläutet. Seit damals ruft dieses erste harmonische Massenmedium in kirchlichen Kontexten zum Gottesdienst oder stillen Gebet und dient im weltlichen Bereich als Signalinstrument, das vor Gefahren warnt oder unter anderem zu feierlichen Anlässen erklingt.“ Ein wesentlicher Aspekt sei, dass Glocken und ihr Klang Heimat schafften: „Die auf der Bronze aufgebrachten Inschriften und Zierden vermitteln Geschichte in die Gegenwart. Und beim Uhrschlag und im Läuten vertrauter Töne spiegelt sich ein Stück unserer Identität“, so der Glockenfachmann.
„Das Fachkomitee würdigt den Glockenguss als eine jahrhundertealte Handwerkstechnik, die neben dem Gießen und Formen auch das Verzieren von Glocken beinhaltet“, heißt es im Bestätigungsschreiben der Deutschen UNESCO-Kommission und der Kulturministerkonferenz an die Antragsteller. „Es erkennt an, dass heute noch in fünf Glockengießereien in Deutschland das überlieferte Wissen und Können dieser Technik aktiv weitergegeben wird. Die Glockenmusik wird sowohl durch mündliche Anleitungen als auch in Lehrgängen und Kursen gelehrt und wirkt als Kulturform und Kommunikationsmittel in Kultur und Sprache hinein. Insgesamt steht die Praxis des Glockengusses in enger Verbindung mit der Weitergabe von Wissen und Können der Glockenmusik.“
Auch die badische Landeskirche hat unter ihren etwa 700 Geläuten mit etwa 2.500 Glocken eine weit zurückreichende Tradition. „Eine sehr alte Glocke befindet sich beispielsweise in der Bergkirche St. Michael in Büsingen am Hochrhein. Sie wurde um das 12. Jahrhundert in Form eines sogenannten Zuckerhutes wahrscheinlich auf der Klosterinsel Reichenau gegossen“, erläutert Michael Kaufmann. Eine nicht ganz so alte historische Glocke erklinge in der Thomaskirche Kleinsteinbach, die ‚Michaelsglocke‘, geformt 1468 von dem lothringischen Wandergießer Hans Lamprecht (Jean Lambert) für das ehemalige Benediktinerinnenstift Frauenalb. „Eine noch recht junge Glocke ist dagegen die anlässlich des Europäischen Glockentages in Karlsruhe 2004 von der Glockengießerei Bachert gegossene ‚Friedensglocke‘ in der Christuskirche Karlsruhe. Sie gehört mit ihrem Schlagton f0 und mehr als neun Tonnen Gewicht zu den wirklich sehr großen Glocken.“
Dass Glockenläuten und -spielen eine lebendige Tradition bleibt, dafür sorgen unter anderem auch Projekte wie „#createsoundscape“, das 2018 startete und sich vor allem an Jugendgruppen richtet. Das Glocken-Wiki soll Glocken aus Deutschland und weit darüber hinaus, in einer digitalen Landkarte zum Klingen bringen. Es wird von den Glockenexperten der Badischen Landeskirche und der Erzdiözese Freiburg gemeinsam betreut.
Eingereicht wurde der Antrag für die Aufnahme in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes vom Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen, vom Westfälischen Glockenmuseum Gescher und von der Deutschen Glockenspielervereinigung e.V., die auch als Trägergruppe dieser Kulturform agieren.
Weitere Informationen:
 
 
 

Glocken auf dem Turm

Wie alt ist die älteste Glocke?
Welche Heiligenbilder befinden sich auf der Christusglocke?
Welche beiden Gründe kann man nennen, wenn man erklären will, dass die Glocke von 1591 sich nicht seit 1591 sich auf diesem Kirchturm befindet?
 
Die älteste Glocke im Turm trägt die Jahreszahl 1591. Zur Inschrift: „Jesus von Nazareth, König der Juden“ sind zur weiteren Verzierung Heiligenbilder angebracht. Die Mutter Gottes mit Lilie und Krone auf einer Mondsichel im Strahlenkranz, die Heilige Verena mit einer Kanne, die Heilige Katharina mit einem Schwert und halben Rad, der Heilige Theodul mit Mitra, Schwert, Bischofsstab und einer Glocke zu seinen Füßen. 
Der Model der Muttergottes weist auf die Glockengießerei Füesli in Zürich hin. (Zum Vergleich: Auf einer Glocke in der Kirche in Schluchsee, gegossen von Peter Füesli im Jahr 1626, ist dieser Model verwendet worden.)
Die Heiligenbilder auf der Glocke lassen zweifeln, dass die Glocke 35 Jahre nach der Einführung der Reformation von der Denzlinger Gemeinde in Auftrag gegeben wurde. Da man im Jahr 1653 den Verlust sämtlicher Glocken beklagte und 1718/19 nur eine kleine zwei Zentner schwere Glocke erwähnt ist, muss die Glocke erst später auf den Denzlinger Turm gelangt sein.
Ein Schriftverkehr aus den Jahren 1808 / 1809 gibt Auskunft, dass eine Glocke gekauft wurde, und so wird daraus geschlossen, dass diese Glocke im Jahr 1809 auf den Turm kam. Noch fehlt die Angabe der Herkunft dieser Glocke. 
Quelle: Dieter Geuenich & Dieter Ohmberger, Denzlingen, Band 1, S. 97
 
Die drei anderen Glocken wurden im Jahr 1949 gegossen und im Rahmen eines großen Dorffestes "Glockenweihe" auf den Kirchturm gebracht. Die Anbringen war mit Eisenträgern fest mit dem Turm verbunden, was in den kommenden Jahren statische Problem verursachte. Das Mauerwerk bekam Risse, die Sandsteinbrüstung war gefährdet.
 
So kam es im Jahr 1960 zum Einbau eines "Turms im Turm". In den Turm wurde ein Glockenstuhl aus Holzbalken eingebaut, so dass die Schwingung der Glocken nicht direkt sich auf das Mauerwerk auswirkt.
 
 
 
Die Glocken:
 
 
I   Dankglocke - 1949
1015 kg  - 126 cm Durchmesser - 120 cm Höhe
”Soli Deo Gloria” „Land, Land, höre des Herrn Wort”
Ton: es
Funktion: Vorläuten - 1 Std. vor dem Gottesdienst
Stundenschlag „gong"
 
II  Christusglocke 1591
650 kg  - 100 cm Durchmesser - 95 cm Höhe 
“Jesus von Nazareth, der König der Juden”
Ton: as / gis
Funktion: Scheidzeichen  + Vorläuten
Viertelschlag „bamm“
 
III  Betglocke
294,5 kg - 82 cm Durchmesser - 74 cm Höhe 
”Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit”
Ton: b
Funktion: Vaterunser + tägliches Gebet (3x am Tag)
Viertelschlag „bomm“ 
 
IV  Taufglocke   
208 kg - 74 cm Durchmesser - 66 cm Höhe
”Christus ist unser Friede”
Ton: Cis
Funktion: zur Taufe
Viertelschlag „bimm“

Eine Übersicht zu den Glocken und ihre Funktionen:

Quelle: ev. Kirchengemeinde Denzlingen

 

 
 

Wann waren wie viele Glocken auf dem Turm?